Energiekrise als Weckruf
Erneuerbare Energien gelten zunehmend als Schlüssel, um Europas Energieversorgung sicherer und unabhängiger zu machen.

Der Krieg im Iran und in der Golfregion treibt die Energiepreise nach oben und verstärkt den Druck auf Europa, seine Energieversorgung unabhängiger zu gestalten. Nach Ansicht von Fronius-CEO Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß spielen erneuerbare Energien dabei eine zentrale Rolle. Vor allem Windkraft- und Photovoltaikanlagen könnten entscheidend dazu beitragen, Europas Energieversorgung langfristig stabiler und sicherer zu machen.
Im Vergleich zu fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle seien Wasser, Wind und Sonne zudem kostengünstiger. Sie sollten daher künftig das Fundament der europäischen Energieversorgung bilden. Voraussetzung sei allerdings, dass die dafür notwendige Technologie von verlässlichen Herstellern stammt. Davon könnten sowohl die Industrie als auch Klima und Wirtschaft in Europa profitieren.
Gleichzeitig zeigt der aktuelle Fünf-Jahresplan in China laut Engelbrechtsmüller-Strauß, dass Europa nicht in eine neue Abhängigkeit geraten dürfe – etwa von chinesischen Komponenten für Photovoltaikanlagen. Der geplante Industrial Accelerator Act (IAA) mit klaren „Made in Europe“-Regelungen biete hier eine Möglichkeit, wirtschaftliche Wertschöpfung und strategische Unabhängigkeit miteinander zu verbinden.
Fronius weist seit Jahren darauf hin, dass geopolitische Spannungen mit China auch Auswirkungen auf Europas Stromversorgung haben könnten. Ein technischer Hintergrund ist, dass Photovoltaik-Wechselrichter vieler Hersteller mit dem Internet verbunden sind, um Softwareupdates aus der Ferne zu erhalten. Unternehmen im Einflussbereich staatlicher Stellen könnten theoretisch gezwungen werden, schädliche Software zu installieren. Selbst einfache Abschaltungen zahlreicher Anlagen könnten das europäische Stromnetz destabilisieren und im Extremfall großflächige Stromausfälle auslösen.
Vor diesem Hintergrund wird der Industrial Accelerator Act als wichtiger Schritt bewertet. Er soll die europäische Wertschöpfung stärken und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien mit mehr Energiesicherheit verbinden. Wechselrichter werden darin erstmals als kritische Komponenten für die industrielle Entwicklung und die Stabilität der Infrastruktur in Europa eingestuft. Zudem sollen Hersteller mit hohem Risiko bei Ausschreibungen, öffentlichen Beschaffungen und Förderprogrammen nicht als „Made in Europe“ gelten.
Engelbrechtsmüller-Strauß fordert daher ein rasches politisches Handeln. EU-Kommission, Mitgliedstaaten und EU-Parlament sollten möglichst schnell für klare Rahmenbedingungen sorgen und die Übergangsfristen bis zum Inkrafttreten des Gesetzes verkürzen, um Planungssicherheit zu schaffen und die Energiesicherheit Europas zu stärken.
APA/Red.